Archiv - Freunde Tuams

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Archiv

Elfriede
Elfriede Pollety – Biographie
Elfriede Pollety wurde 1942 in Altötting in eine Bildhauer- und Steinmetzfamilie hineingeboren. Ihre musischen Neigungen und Begabungen, insbesondere ihre Liebe zur Kalligraphie, wurden ihr so schon in die Wiege gelegt. Sie wuchs zusammen mit ihren Geschwistern Albert, Maria und Paula auf. Erst auf das Drängen ihres damaligen Volksschullehrers kam sie aufs Gymnasium und trat sofort in die 7. Klasse bei den Englischen Fräulein in Altötting ein. Ihre Schulzeit schloss sie mit dem Abitur am Deutschen Gymnasium Am Anger in München ab. 
Nach dem Lehramtsstudium der Fächer Englisch und Geschichte an der Universität München kam sie 1970 im Zweigschuleinsatz für ein Jahr an das Anton-Bruckner-Gymnasium nach Straubing. Diese Stadt sollte für sie beruflich und persönlich neben Altötting zur Heimat werden, denn nach dem Abschluss des Referendariats kehrte sie nach Straubing zurück und blieb auch nach ihrer Pensionierung 2006 bis wenige Wochen vor ihrem Tod hier. Dass Altötting ihre eigentliche Heimat blieb, zeigt ihr Wunsch – wie sie selbst sagte – „im Schatten der Gnadenkapelle zu sterben“.
Schon als Studienreferendarin wirkte sie auch als Heimerzieherin, später als stellvertretende Heimleiterin im Staatlichen Schülerheim. Die ihr anvertrauten Schülerinnen betreute und formte sie durch ihre warmherzige Art, indem sie sich sehr persönlich um jede einzelne annahm. Durch ihren Ideenreichtum und ihren außergewöhnlichen Einsatz prägte sie das Heimleben: Noch heute erzählen Ehemalige von den originellen Festen im Staatlichen Schülerheim. 1987 übernahm Elfriede Pollety die verantwortungsvolle Aufgabe der Fachbetreuung Englisch und wurde zur Studiendirektorin ernannt.
So engagiert sie ihre Pflichten in Schule und Heim wahrnahm, ihr Herz gehörte ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten. Hier lebte sie auf, das war ihre Welt, auch wenn sie diese zahlreichen Aktivitäten immer wieder an den Rand der Erschöpfung brachten. Dieses unermüdliche Engagement bereicherte über Jahrzehnte das kulturelle Leben der Stadt Straubing.
Als Gründungs- und Vorstandsmitglied der „Freunde Tuams“ war sie maßgeblich daran beteiligt, dass die Städtepartnerschaft zwischen Straubing und der westirischen Stadt zustande kam und mit Leben erfüllt wurde. Mehr als 25 Jahre organisierte sie mit der Katholischen Jugendstelle einen deutsch-ungarischen Jugendaustausch zwischen Straubing und Miskolc. Dass Freunde aus Irland und Ungarn eigens angereist sind, um Elfriede das letzte Geleit zu geben, sagt mehr als viele Worte.
Ihre musischen Neigungen verwirklichte Elfriede Pollety in Theater, Musik und Tanz. Viele Jahre leitete sie die Theatergruppe am Anton-Bruckner-Gymnasium. In ihrem Kinderliedersingen und ihrer Flötengruppe eröffnete sie vielen jungen Menschen den Zugang zur Musik. Immer wieder gewann sie durch ihre eigene Begeisterung junge Musiker unserer Schule für die Hofmusik bei den Agnes-Bernauer-Festspielen.
Aus Liebe zur Volksmusik organisierte sie außerhalb der Schule über Jahrzehnte das monatliche Offene Singen und lud mehrmals im Jahr zum „Niederbairischen Tanzboden“ ein. Besonders hing ihr Herz an der alljährlichen „Bruder-Straubinger-Redoute“, die sie vor 20 Jahren ins Leben gerufen hatte. Die Veranstaltung war ihr so wichtig, dass sie in diesem Februar – bereits von der Krankheit gezeichnet – noch daran teilnahm. Es war das letzte Mal, dass sie sich in der Öffentlichkeit zeigte.
Ihr großes Fachwissen und ihren reichen Notenschatz gab sie bei Volksmusik-Lehrgängen und in der Lehrerfortbildung weiter. Für ihre Verdienste um die bayerische Volksmusik wurde sie 1996 mit dem Ehrenpreis der Hanns-Seidel-Stiftung und 2002 mit der Medaille des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege ausgezeichnet.
Als bescheidener Mensch stellte sie dabei jedoch nie ihre Person in den Vordergrund, sondern stets die Sache; ihr großes Anliegen war bis in ihre letzten Lebenstage, dass das von ihr Initiierte in Zukunft auch ohne sie von anderen weitergeführt wird.
Der Persönlichkeit Elfriede Polletys kann man nicht gerecht werden, ohne ihre tiefe Religiosität zu erwähnen. Aufgewachsen in einer Familie, in der der christliche Glaube im Alltag als etwas Selbstverständliches praktiziert wurde, erfuhr sie wesentliche Impulse durch ihr Engagement in der Katholischen Hochschulgemeinde der Universität München, wobei sie insbesondere durch die Begegnung mit dem Jesuitenpater Theo Schmidkonz und dem später so bekannten Malerpfarrer Sieger Köder geprägt wurde. Ihr Glaube trug sie durch alle Höhen und Tiefen ihres Lebens, mit ihm konnte sie auch ihren letzten Lebensabschnitt, die schwere Krankheit, meistern.
Als 15-jährige Schülerin wählte Elfriede Pollety für ein Schriftblatt, das im Kunstunterricht kalligraphisch zu gestalten war, ein Wort von Reinhold Schneider aus. Dieser Text mutet wie ein Lebensmotto an, da sie ihn später in gedruckter Form gern an Freunde verschenkte. Angesichts ihres langen Leidensweges und ihres Sterbens erhält dieses Wort ein besonderes Gewicht: „In allen Ängsten dieser Zeit ist ein unaussprechliches Heil. Der Weg endet ja nicht, wo wir meinen. Der Herr führt uns durch die Wand hindurch und am wahren Ende des Weges ist alles gut.“
Walter Steinhauser
Artikel des Straubinger Tagblattes vom 04.11.2016

Artikel des Tuam Herald vom 07. Dezember 2016
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü